Rot ist seine Lieblingsfarbe

Malermeister Hans-Jürgen Pagels aus Krusenhagen führt ein buntes Leben: Fassaden bekommen farbige Anstriche und Wohnräume ein lebhaftes Flair.

Schon 1987 hat sich Hans-Jürgen Pagels als Maler selbstständig gemacht. Das Interesse für seinen farbigen Beruf bekam er bereits als kleiner Junge, als er seinem Onkel Heiner zuschaute, wie der mit Pinsel und Farbe Häuser und Wohnungen renovierte. „Es war toll zu sehen, wie Farbe ein altes Haus und neue Tapeten ein verwohntes Zimmer verschönerten“, fand Hans-Jürgen Pagels. Mit 16 Jahren begann er darauf seine Lehre und 1983 qualifizierte er sich für den Meister. Damals gab es Material noch auf Bezugsschein. Nach einfachen Raufasertapeten musste er genau wie andere Bürger Schlange stehen. Und manchmal, wenn er nach Bruel ins Großlager fuhr, hatte er auch Pralinen und eine Tüte Kaffee im Kofferraum, um sich damit Bruchfarben und Tapetenreste zu besorgen.

Er kann sich noch genau an seinen ersten Auftrag erinnern: die Kindertagesstätte in Hof Redentin bekam damals ein neues Gesicht. Kurz darauf konnte er den ersten Gesellen einstellen. Heute zählt die Firma 15 Beschäftigte und zwei Lehrlinge. Viele seiner Gesellen sind schon von Anfang an dabei. Und sie sehen, dass es weitergeht und die Familie Spaß am Unternehmen hat. Für seine Arbeiter besorgt Hans-Jürgen Pagels sogar Aufträge im Ausland. Vor zwei Jahren verschlug es die Firma an die Atlantikküste in die Werft von St. Nazaire, wo sie die Maler- und Stuckarbeiten in einem großen Luxusliner ausführten. Aber am liebsten arbeitet er vor der eigenen Tür vor allem auf Poel. Allein sieben Beschäftigte kommen von der Insel. Und der gute Zusammenhalt wirkt sich auf die Arbeit aus, denn die Firmenphilosophie besagt: „Der Bauherr muss zufrieden sein, denn wenn man gute Arbeit macht, wächst man mit dem Kunden!“ Fragt man Hans-Jürgen Pagels, welche Aufträge ihm heute am liebsten sind, so gesteht er lächelnd: „Alle Aufträge sind toll!“ Am liebsten übernimmt er aber die Fassadenarbeiten für alte Häuser. So renovierte die Malerfirma unter anderem auch das denkmalgeschützte Gebäude der OSTSEE-ZEITUNG in leuchtendem Rot. Rot ist die Lieblingsfarbe von Hans-Jürgen Pagels. Rot sind auch alle seine Arbeitsautos.

Rechnungen, Angebote, Absprachen mit Architekten, Treffen mit Bauherren und die Kontrolle von Baustellen bestimmen seinen Alltag. Im Büro hilft Ehefrau Marlis bei der Organisation des Betriebes. Auch die jüngste Tochter Anja ist mittlerweile ins Handwerkerunternehmen eingestiegen. Ihre Ausbildung hat die heute 25-Jährige als bester Facharbeiter absolviert. Die Qualifikation zum Meister gelang ihr vor zwei Jahren. Und wenn Hans-Jürgen Pagels heute mit seiner Enkelin spielt, dann ist er sich sicher, dass die Firma zukünftig in Familienhand bleibt, denn auch der Schwiegersohn ist Malermeister.

Jeder Kunde hat sein eigenes Profil und individuelle Wünsche. Neben Tapezierarbeiten, dem Verlegen von  Bodenbelägen Wärmedämmung und der Montage von Markisen sind zur Zeit besonders die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten der Malerfirma gefragt, so zum Beispiel verschiedene Lasur- und Spachteltechniken, die italienisches Flair mit warmen Gelb-, Orange- und Lachstönen vermitteln.

Seit fünf Jahren engagiert sich Hans-Jürgen Pagels auch als Obermeister der 555 Jahre alten Maler- und Lackiererinnung Nordwestmecklenburgs um den Zusammenhalt der 36 Innungsbetriebe. 10 Jahre lang war er auch Prüfungsvorsitzender und kümmerte sich um die Ausbildung der Lehrlinge. „Früher wurde man viel härter zur Arbeit herangezogen, aber heute sind die meisten Lehrlinge motivationslos und zeigen keine Liebe zum Beruf“, bedauert er. „Denn als Maler muss man kreativ arbeiten, mitdenken und eine sichere Hand beweisen.“ Der Beruf des Malers ist eben immer noch traditionelle Handarbeit.